Verein sammelt alles übers Land des Tons
Die ehrenamtlichen Forscher vom Dokumentationszentrum Kannenbäckerland werden immer wieder als Experten zu Fundstellen gerufen (Foto links). Dabei haben sie schon so manches Kleinod entdeckt. Beispiele für das Wäller Steinzeug, charakteristisch im grau-blauen Stil, sind im Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen zu bewundern. Fotos: Natalie Simon (2), Keramikmuseum Westerwald (2), Karl-Ludwig Schmidt
Dokumentationszentrum in Höhr-Grenzhausen will mehr publizieren
Weit über die Grenzen des Westerwaldes hinaus ist das Kannenbäckerland ein Begriff. Doch nur wenige kennen dessen zentrale Bedeutung für die keramische Entwicklung.
HÖHR-GRENZHAUSEN/ RANSBACH-BAUMBACH. “Die geschichtliche, technische und künstlerische Entwicklung der Keramik und der damit zusammenhängenden Erscheinungen im Kannenbäckerland in Literatur, Urkunden, Aufzeichnungen, Abbildungen und Gegenständen zu sammeln, zu ordnen, wissenschaftlich zu bearbeiten und die Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen” – diese Aufgabe hat sich das Dokumentationszentrum Kannenbäckerland (DZK) gestellt. Auf der Burg Grenzau wurde der Verein von Prof. Dr. Hans Spiegel, Heribert Fries, Dr. Franz-Josef Heyen, Werner Sahm, Georg Peltner, Dr. Franz Baaden und Werner Baumann am 4. Juni 1972 gegründet. Insbesondere sollen die (kunst)handwerklichen und industriellen Erzeugnisse der Keramik der Region, ihrer Umgebung und ihrer Ausstrahlungsgebiete dokumentiert werden.
Seit 1975 hat das DZK insgesamt 13 Arbeitshefte herausgegeben. Sie enthalten neben organisatorischen Vorgaben zur Erfassung und Inventarisierung auch Berichte mit detaillierter Beschreibung der keramischen Fundstücke, zum Beispiel eines in Deesen entdeckten sogenannten “Nievenheimkruges” von 1644. In zwei Ausgaben handelt Ernst Henn die “Irdenware im Westerwald”, genauer in der Region Breitscheid, ab. Die Reihe wird nicht weitergeführt, sondern durch digital erstellte Aufsätze ersetzt.
Seit dem Tod des langjährigen DZK-Vorsitzenden Dr. Franz Baaden übernahm im Jahr 2006 Jürgen Reusch den Vereinsvorsitz. Der heutige Vorstand ist seither bemüht, die “eingeschlafenen” Dokumentations-, Forschungs- und Veröffentlichungsaktivitäten neu zu beleben. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit soll die Arbeit des DZK bekannter gemacht und neue Mitglieder, die möglicherweise an einer Mitarbeit interessiert sind, gewonnen werden. Für dieses Jahr ist auch eine Vortragsreihe zu verschiedenen keramischen Themen geplant. Neben der Dokumentation verschiedener thematischer Aspekte des Kannenbäckerlandes bemüht sich das DZK, das inzwischen wieder 20 Mitglieder aufweist, um die wissenschaftliche Aufarbeitung historischer Keramikfunde im Kannenbäckerland. Außerdem werden enge Verbindungen zu keramischen Organisationen und Betrieben im Kannenbäckerland, wie Instituteen, Firmen, Schulen, dem Keramikmuseum et cetera, gepflegt.
Schwierig gestaltet sich bisher eine Dokumentation über die Krugbäcker im Kannenbäckerland. Auf der Basis eines von Dr. Franz Baaden über Jahrzehnte gesammelten Archivalienbestandes sollten mehrere Autoren diese schriftlichen Ausarbeitungen ortsbezogen vornehmen. Doch gelang es bisher nicht, das Projekt nach dem Ausscheiden der Autoren zu realisieren. Zurzeit wird wieder daran gearbeitet. Eine Vielzahl von Veröffentlichungen von DZK-Mitarbeitern in der Fachliteratur, Heimatjahrbüchern und Ortschroniken haben Einzelaspekte der Keramik zum Thema; sie entstanden teilweise auf der Grundlage der Dokumentensammlung. (nsi)
Westerwälder Zeitung vom Samstag,
17. April 2010, Seite 20.
Infos unter:
Dokumentationszentrum Kannenbäckerland





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